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Medikamentensucht

Bei der Medikamentensucht (z. B. Sedativa, Hypnotika und Analgetika) gelten ähnliche diagnostischen Kriterien und Symptome wie bei der Alkoholsucht. Allerdings fühlen sich auch Menschen, die ein Medikament aus medizinischen Gründen brauchen, abhängig. Umgekehrt kann man dadurch auch eine unangebrachte Einnahme begründen. Schließlich sind die Grenzen von Heilmittel zum Suchtmittel meist fließend. Zusätzlich gibt es auch die Abhängigkeit von kleinen Dosen z. B. bei den Benzodiazepinen.

Die Zahl der Medikamentenabhängigen in Deutschland wird auf 1,4-1,9 Millionen geschätzt (2007), wobei ältere Menschen Sedativa problematisch lange einnehmen. 5% der Medikamente verfügen über ein eigenes Suchtpotential. Eine Hauptrolle spielen die Benzodiazepine und die „Z-Substanzen“. Häufig kommt bei ihnen Mehrfachabhängigkeit und hier v. a. Opiatabhängigkeit vor. Zwischen Benzodiazepinen, Barbituraten, Alkohol und Clomethiazol besteht im Übrigen eine Kreuztoleranz. Missbräuchlich eingenommen werden auch Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen und Propyphenazon. Gewöhnungserzeugend sind Mischanalgetika mit z. B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein (Thomapyrin intensiv etc.).

Wir möchten Ihnen eine kurze Übersicht verwendeter Stoffe geben:

  • Benzodiazepine sind: z. B. Rohypnol, Tavor, Diazepam, Adumbran, Lexotanil, Rivotril
  • Benzodiazepin-Analoga bzw. Z-Substanzen sind: z. B.  Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon (Sonata)
  • Opiate sind: z. B. Morphin, Hydromorphon, Oxycodon und  Fentanyl. Sogar Heroin und Polamidon zählen zu den Opiaten
  • Opioid-Analgetika sind: z. B. Tilidin, Tramadol, Buprenorphin und Codein

 

Spezifische Risikogruppen für Abhängigkeit sind kaum definierbar, klare Indikatoren sind schlecht auszumachen. Viele Menschen fühlen sich in ihren Beziehungs- und Arbeitsbedingungen überfordert, verstärkt durch den Konkurrenzdruck einer Leistungsgesellschaft. Medikamente werden, gerade bei nicht ausreichenden eigenen Kompetenzen, als Mittel zur Bewältigung äußerer Belastungen und innerer Spannungen eingenommen, insbesondere bei gestörter work-life-balance, fehlender Entspannung und misslungener Rekreation.

Erkrankungen, bei denen Medikamentenabhängigkeit häufig auftritt, sind depressive Syndrome, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, chronische Schmerzsyndrome und eine bereits bestehende Suchterkrankung.

Nachdem diese Medikamente vielfach auch von Ärzten per Rezept verordnet werden, besteht bei den Betroffenen oftmals auch kein spezifisches Problembewusstsein. Auch Apotheker sind gemäß der Apothekenbetriebsordnung gesetzlich dazu verpflichtet, bei Verdacht auf missbräuchliche Einnahme die Herausgabe des Medikaments zu verweigern. In jedem Fall ist hier von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen. Dies ist auch aus dem Grunde so, weil die Betroffenen in der Regel nicht oder erst in fortgeschrittenem Krankheitsstadium auffällig werden und lange Zeit sehr gut sozial integriert, leistungsorientiert und angepasst wirken.

Ein Entzug dauert in der Regel länger als beim Alkohol. Einige Medikamente können Depots bis zu 2- 3 Wochen aufbauen, so dass erst nach diesem Zeitraum Entzugserscheinungen auftreten können. Entzüge von Medikamenten erfordern einen sehr individuellen Therapieplan, der in unserer Klinik zusammen mit dem Patienten erstellt wird.

In unserer Klinik führen wir, z. B. bei den Benzodiazepinen, einen fraktionierten Entzug durch mit medikamentöser Begleitung und unter Anfallsschutz mit einem Antiepileptikum unter engmaschiger Überwachung der Herz-Kreislauf und Stoffwechselsituation. Unser Konzept erlaubt eine ausreichend intensive und umfassende psychotherapeutische Begleitung bei Entzug und in der Entwöhnung. Wir behandeln im gleichen Ansatz psychische, psychosomatische und körperliche Komorbiditäten mit.

Der Patient lernt wieder, sich und den eigenen Körper zu spüren, Gefühle und Bedürfnisse differenzierter wahrzunehmen und auszudrücken, Konflikte zu bearbeiten und neue kompatiblere Problemlösungen zu finden. Er wird auch weniger dazu neigen, seelischen Schmerz als körperlichen wahrzunehmen und ihn mit Schmerzmitteln zu behandeln, anstatt Trauer oder Wut zu spüren.