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Alkohol und Promille: Wie der Körper auf Alkohol im Blut reagiert

Ob das Bier in geselliger Runde, der Sekt zum Anstoßen oder das Glas Wein am Abend: Mit jedem Schluck Alkohol erhöht sich die Alkoholkonzentration im Blut. Wie hoch der sogenannte Promille-Wert dabei steigt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem das Alter und Geschlecht, sowie die körperliche Konstitution des Konsumenten und die getrunkene Alkoholmenge. Tückisch ist jedoch, dass die betroffenen Personen den Anstieg des Alkohol-Promille-Werts im Blut nicht bewusst wahrnehmen. Häufig neigen sie dadurch zur Selbstüberschätzung und können mögliche Gefahren nicht mehr richtig bewerten. Im Straßenverkehr stellen bereits wenige Promille eine Gefahr für den Konsumenten und andere Verkehrsteilnehmer dar. Deshalb existiert in Deutschland und vielen anderen Ländern eine feste Promillegrenze für Straßenverkehrsteilnehmer.

Was genau sind Promille?

Der Begriff “Promille” ist ein aus dem Lateinischen abgeleitetes Wort für ein Tausendstel (lat.: pro mille = im Verhältnis zu tausend). 1 Promille entspricht demnach einem Tausendstel und damit 0,1 %. Das gängige Symbol für Promille ist ‰. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht sich die Einheit Promille auf Alkohol, genauer gesagt auf den Blutalkohol-Gehalt oder die Blutalkoholkonzentration einer Person.

Welche Wirkung erzielen Alkohol und Promille?

Mit zunehmenden Alkoholkonsum treten immer mehr alkoholtypische Ausfallerscheinungen auf. Diese zeigen sich bei Erwachsenen unter anderem in den folgenden Beeinträchtigungen:

Ab 0,3 Promille Alkohol

  • geringe Sehprobleme
  • erhöhter Puls
  • beschleunigte Atmung
  • gesteigerter Appetit
  • verstärkter Harndrang
  • verringerte Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsvermögen
  • erhöhte Risikobereitschaft

Ab 0,8 Promille Alkohol

  • deutliche Sehprobleme
  • eingeschränktes Gesichtsfeld (“Tunnelblick”)
  • um 30 % bis 50 % verlängerte Reaktionszeit
  • Störungen des Gleichgewichtssinns
  • ausgeprägte Konzentrationsschwäche
  • Selbstüberschätzung
  • enthemmtes Verhalten

Ab 1,0 bis 2,0 Promille Alkohol

  • erhebliche Sehstörungen, vor allem des räumlichen Sehens
  • deutliche Einschränkungen des Reaktionsvermögens
  • starke beeinträchtigter Gleichgewichtssinn
  • Übelkeit
  • Orientierungsprobleme
  • Verwirrtheit
  • Sprechstörungen
  • gesteigerte Aggressionsbereitschaft
  • deutlich enthemmtes Verhalten

Ab 2,0 bis 3,0 Promille Alkohol

  • Erbrechen
  • massive Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinns
  • stark gestörte Konzentrationsfähigkeit
  • minimales Reaktionsvermögen
  • Erschlaffung der Muskulatur
  • Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen

Ab 3,0 Promille Alkohol

  • schwache Atmung
  • Unterkühlung
  • Verlust der Reflexe
  • Gedächtnisverlust
  • Bewusstlosigkeit

Ab 4,0 Promille Alkohol

  • Unkontrollierte Ausscheidungen
  • Lähmungen
  • Atemstillstand
  • Koma
  • Tod

Im Gegensatz zu den Erwachsenen reagieren Kinder und Jugendliche noch empfindlicher auf Alkohol. Deshalb sind für sie schon wenig Alkohol und Promille höchst gefährlich. So kann bei Kleinkindern eine Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille bereits lebensgefährliche Folgen haben.

Wie lässt sich die Promille berechnen?

Eine klassische Methode zur Berechnung des Promillewerts ist die Widmark-Formel. Sie berücksichtigt den unterschiedlichen Anteil von Körperflüssigkeit bei Frauen (ca. 55 %) und Männern (ca. 68 %). Dieser Anteil ist deshalb so wichtig, weil sich der Alkohol im Körper über die Flüssigkeit verteilt. Da Frauen – im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht – weniger Körperflüssigkeit haben als Männer, erzeugt die gleiche Menge Alkohol bei ihnen eine um etwa 20 % höhere Blutalkoholkonzentration. Diese errechnet sich nach der Widmark-Formel wie folgt:

Alkoholkonzentration im Blut bei Männern:
Getrunkener Alkohol [in g] / (Körpergewicht [in kg] x 0,68)

Alkoholkonzentration im Blut bei Frauen:
Getrunkener Alkohol [in g] / (Körpergewicht [in kg] x 0,55)

Allerdings gibt diese Formel nie den tatsächlichen Blutalkoholgehalt bzw. Promillewert an, sondern immer nur eine ungefähre Schätzung. Das liegt zum einen daran, dass die Blutalkoholkonzentration von weiteren Faktoren abhängig ist, wie zum Beispiel dem Mageninhalt. Zum anderen muss der reine Alkoholgehalt der getrunkenen Getränke bekannt sein. Das ist nicht immer der Fall. Um ihnen komplizierte Berechnungen zu ersparen, können sich die Betroffenen jedoch an diesen Beispielen orientieren:

  • 1 Flasche Bier (0,33 Liter) mit 4,8 Vol. % = ca. 13 g Alkohol
  • 1 Glas Wein (0,1 Liter) mit 11 Vol. % = ca. 9 g Alkohol
  • 1 Schnaps (2 cl) mit 38 Vol. % = ca. 6 g Alkohol

Darüber hinaus stehen im Internet kostenlose Promillerechner zur Verfügung, die einen ungefähren Überblick über den jeweiligen Promillewert vermitteln. Da es sich lediglich um Richtwerte handelt, sollten Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer weder aufgrund der Widmark-Formel noch aufgrund der Ergebnisse eines Promillerechners darüber entscheiden, ob sie noch fahrtüchtig sind. Sicher ist es nur, wenn auf jeden Fall das Auto stehen gelassen wird oder bei Fahrvorhaben am besten gar kein Alkohol getrunken wird.

Wie (schnell) wird Alkohol im Körper abgebaut?

Für den Alkoholabbau im Körper ist die Leber zuständig. Sie wandelt den Alkohol schrittweise in Wasser und Kohlendioxid um. Dieser Prozess nimmt einige Zeit in Anspruch, sodass der Promillewert nur langsam sinkt. Auch hier gibt es kleine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. So bauen Männer den Alkohol in der Regel schneller ab, nämlich etwa 0,15- 0,2 Promille pro Stunde. Bei Frauen werden im gleichen Zeitraum durchschnittlich 0,13 Promille abgebaut.
Nur etwa 3 % des Alkohols werden nicht von der Leber abgebaut, sondern über den Atem, die Haut oder andere Stoffwechselprozesse direkt vom Körper ausgeschieden.

Welche Promillegrenzen gibt es in Deutschland?

Um die Unfallgefahr im Straßenverkehr aufgrund alkoholtypischer Ausfallerscheinungen zu verringern, wurde in Deutschland und in vielen anderen Ländern eine Promillegrenze eingeführt. Dabei reicht die Geschichte der Promillegrenze in Deutschland bis in die 1950er Jahre zurück. Damals legte der Bundesgerichtshof im Jahr 1953 zum ersten Mal eine Grenze des erlaubten Alkohol-Promille-Werts im Straßenverkehr fest. Das Überschreiten dieser Grenze stellte eine Ordnungswidrigkeit dar, deren Missachtung bestraft werden durfte. Diese erste Grenze lag bei 1,5 Promille. Genau 20 Jahre später, im Juni 1973 wurde die Promillegrenze in Deutschland auf 0,8 Promille gesenkt.

Seit 2001 liegt die gesetzlich vorgeschriebene Promillegrenze im Straßenverkehr bei 0,5 Promille. Sie gilt unabhängig von der Art des geführten Fahrzeugs. Mit anderen Worten: Konsumenten müssen sich an diese Promillegrenze im Auto, auf dem Motorrad und Moped halten. Selbst wenn die Promillegrenze auf dem Fahrrad überschritten wird, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld, einem Eintrag in das Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamtes (“Punkte in Flensburg”) und einem Fahrverbot geahndet wird. Ein Wert größer als 1,1 Promille gilt in Deutschland als Straftat, die mit Punkten im Fahreignungsregister sowie einer Geldstrafe belangt wird. Außerdem wird dem Betroffenen die Fahrerlaubnis für mindestens 6 Monate entzogen. Für Fahranfänger und Personen unter 21 Jahren gilt seit dem 1. August 2007 ein absolutes Alkoholverbot während der gesamten Probezeit. Wer sich nicht daran hält und alkoholisiert hinter dem Steuer sitzt, wird mit einem Bußgeld von 125 Euro bestraft und erhält 2 Punkte im Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamtes.

Was passiert, wenn man mehrfach durch Alkohol und Promille im Straßenverkehr auffällig geworden ist?

Neben der hohen Unfallgefahr zieht eine auffällige Fahrweise bedingt durch den erhöhten Konsum von Alkohol weitere Risiken nach sich. Wenn Verkehrsteilnehmer wiederholt auffällig werden, erhöhen sich ab dem zweiten oder dritten Verstoß

  • die Anzahl der Punkte im Fahreignungsregister,
  • die Geldstrafe und
  • die Dauer des Fahrverbots.

Je nach Einzelfall kann der Entzug des Führerscheins bis zu 5 Jahren und im schlimmsten Fall sogar lebenslang dauern. Auch die Teilnahme an einer MPU ist zwingend erforderlich. Betrunken am Straßenverkehr teilzunehmen, kann also das gesamte Leben negativ beeinträchtigen. Verkehrsteilnehmer, die ihren Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle haben, sollten es gar nicht erst so weit kommen lassen, sondern sich bereits frühzeitig mit ihrem Konsummuster auseinandersetzen und sich professionelle Hilfe suchen. Diese erhalten sie bei einer Suchtberatungsstelle, ihrem Hausarzt oder einer Suchtklinik.

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