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Alkoholentzug: Dauer & Einflussfaktoren

Viele Menschen, die an einer Alkoholabhängigkeit leiden, greifen schon seit vielen Jahren regelmäßig zur Flasche. Ihre Krankheit hat sich im Laufe der Zeit etappenweise entwickelt und die Sucht ist dabei immer stärker geworden. Andere wiederum steigern ihren Alkoholkonsum binnen weniger Wochen oder Monate so sehr, dass sie in eine Abhängigkeit rutschen. Vielleicht weil sie ihren Job verloren haben, an einer psychischen Erkrankung leiden oder sich ihr Partner von ihnen getrennt hat. Die individuelle Ausgangssituation spielt jedoch nicht nur eine Rolle bei der Entwicklung einer Alkoholsucht, sondern kann auch einen Einfluss auf die Dauer des Alkoholentzugs haben.

Welche Faktoren wirken sich grundsätzlich auf die Alkoholentzugsdauer aus?

Wer seinem gefährlichen Alkoholkonsum endlich einen Riegel vorschieben und abstinent leben möchte, fragt sich meist schon im Vorfeld, wie viel Zeit für einen solchen Entzug eingeplant werden muss. Verständlicherweise möchten Patienten die unangenehme Entgiftung möglichst schnell hinter sich bringen und in ein sorgen- und konsumfreies Leben zurückkehren. Auch Job, Familie und andere persönliche Verpflichtungen machen die zeitliche Komponente der Behandlung zu einem wichtigen Aspekt. Die Alkoholentzug-Dauer richtet sich zum einen nach der Art und dem Ort des Entzugs und zum anderen nach der persönlichen und gesundheitlichen Situation – beispielsweise Begleiterkrankungen – der Betroffenen.

Alkoholentzug-Dauer: Welche Rolle spielen Art & Ort der Alkoholtherapie?

Grundsätzlich dauert die erfolgreiche Behandlung einer Alkoholsucht am kürzesten, wenn sie im Rahmen einer komplexen Therapie in einer Klinik erfolgt. Schließlich haben die Betroffenen hier die Möglichkeit, sich losgelöst vom Alltag ausschließlich auf ihr Alkoholproblem zu konzentrieren und alternative Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Kalter Entzug

Alkoholsüchtige, die sich nicht für eine stationäre Entgiftung, sondern für einen sogenannten kalten Entzug entscheiden, haben in der Regel das größte Rückfallrisiko und die längste Entzugsdauer. Unabhängig von einem Therapieplatz in einer Suchtklinik oder einer ambulanten Einrichtung können sie zwar sofort mit dem Entzug beginnen und das körperliche Entzugssyndrom innerhalb weniger Tage überwinden, zahlen dafür aber einen sehr hohen Preis. Das Rückfallrisiko während und nach der Entgiftung ist hoch und der Entzug im Grunde nicht abgeschlossen, da die psychische Entwöhnung komplett fehlt. Die Betroffenen versuchen oft mehrmals im Leben, dem Alkohol zu entsagen und scheitern immer wieder, bis sie letztendlich doch in einer Klinik entziehen oder den Kampf resigniert aufgeben. Auch aus medizinischer Sicht kann diese Variante auf keinen Fall empfohlen werden, weil als Folge gravierende, bisweilen sogar lebensbedrohliche Entzugserscheinungen wie ein Entzugskrampf auftreten können. So werden Körper und Psyche enormen Belastungen ausgesetzt. Die ersten Symptome setzen bereits unmittelbar nach dem Alkoholverzicht ein. Im schlimmsten Fall kommt es zum gefürchteten Delirium tremens, das tödlich enden kann.

Ambulanter Alkoholentzug

Ambulante Entzüge unter ärztlicher Betreuung dauern nicht selten länger als zwölf Monate, da die Entwöhnung nach und nach durch eine ambulante Psychotherapie erfolgt. Die Alkoholkranken befinden sich nach wie vor im gewohnten persönlichen Umfeld, das vielfach die Sucht zusätzlich antriggert, sodass auch hier das Rückfallrisiko hoch ist.

Stationäre Alkoholtherapie

Die Behandlung in einer professionellen Klinik bietet allen, die keinen Alkohol mehr trinken und ihre Sucht bekämpfen möchten, die besten Erfolgschancen. Das liegt unter anderem daran, dass die unangenehmen Alkohol-Entzugserscheinungen dank verschiedener Medikamente auf ein erträgliches Minimum reduziert werden und auch eine psychische Auseinandersetzung mit den Suchtursachen erfolgt. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem warmen Entzug.

Wie lange Patienten in der Klinik verbleiben müssen, ist abhängig von der ausgewählten Einrichtung sowie der konkreten Entzugsmethode. So erfolgt die medizinische Rehabilitation in einer öffentlichen Einrichtung grundsätzlich in zwei separaten Behandlungsblöcken und ist mitunter mit einer langen Wartezeit auf einen Therapieplatz verbunden. Eine Aussage über die Behandlungsdauer ist in der Regel schwierig und hängt von der Belegsituation der behandelnden Klinik und dem jeweiligen Kostenträger ab. Grundsätzlich kann durch die zeitliche Trennung von Entgiftung und Entwöhnung allerdings von mehreren Monaten ausgegangen werden.

Bei einer privaten Suchtklinik erfolgen der körperliche Entzug und die psychische Entwöhnung in einem einzigen Behandlungsschritt, so dass sich die Dauer der Suchttherapie deutlich besser einschätzen lässt. So ist ein Alkoholentzug in der My Way Betty Ford Klinik mit 28 Behandlungstagen so konzipiert, dass er dem sozialen Umfeld und dem Arbeitgeber offiziell durch einen längeren Urlaub erklärt werden kann. Je nach Bettenkapazität ist die Aufnahme sofort oder nach einer geringen Wartezeit möglich.

Alkoholentzug-Dauer: Welche persönlichen Gründe können Einfluss auf die Behandlungsdauer nehmen?

Sowohl in öffentlichen Institutionen als auch in privaten Entzugskliniken können sich während der Alkoholtherapie Umstände ergeben, die eine Verlängerung zwingend erforderlich machen. Bei der Suchtrehabilitation der Renten- oder Krankenversicherung wird diese von der behandelnden Rehaklinik beim Kostenträger beantragt; in einer Privatklinik erfolgt diese in Absprache mit dem Patienten. Mögliche Gründe für einer Verlängerung können sein:

Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) und Mehrfachabhängigkeiten

Alkoholentzug Dauer: BegleiterkrankungenEs liegt auf der Hand, dass eine Alkoholkrankheit, die z. B. von einer Depression oder einer Angststörung begleitet wird, schwieriger zu behandeln ist, als eine alleinige Alkoholsucht. Wenn der Alkohol als Arzneimittel genutzt wird und vermeintlich die Symptome einer Depression oder Angstzustände lindert, ist es für den Suchtkranken physisch und psychisch meist noch qualvoller, auf das Trinken zu verzichten. Zumal sich neben den üblichen Alkoholentzug-Symptomen auch die Begleiterkrankung zunächst zu verschlimmern scheint. Um dieses Wechselspiel zu durchbrechen, ist es wichtig, beide Erkrankungen gemeinsam zu behandeln. Eine dauerhafte Abstinenz ist nur dann möglich, wenn auch die begleitende psychische Störung beendet oder sich zumindest im Alltag ohne den Konsum von Alkohol bewältigen lässt. Für die Betroffenen gilt es, sich unter therapeutischer Begleitung sowohl den Ursachen ihrer Alkoholabhängigkeit als auch den Auslösern der Begleiterkrankung zu stellen. Da viele Gründe bereits in der Kindheit zu suchen sind, ist es in einigen Fällen nicht möglich, diese komplexe Thematik in vier Wochen aufzulösen, so dass eine Verlängerung des stationären Aufenthalts sinnvoll ist.

Dasselbe gilt für die Dauer der Alkoholismus-Therapie bei Mehrfachabhängigkeiten. Schließlich müssen hier mehrere Substanzen gleichzeitig entzogen werden. Im Falle einer zusätzlichen Medikamentenabhängigkeit wird das abhängig machende Medikament fraktioniert, d. h. schrittweise entzogen. Bei langen Halbwertszeiten und dem Aufbau eines Wirkstoff-Depots können die ersten Entzugserscheinungen des Medikamentenentzugs unter Umständen sogar erst nach zwei bis drei Wochen auftreten, so dass für den Entzug aller Suchtmittel meist eine längere Zeit als vier Wochen eingeplant werden muss.

Dauer und Ausmaß der Abhängigkeitserkrankung

Wie lange die Alkoholabhängigkeit bereits besteht, ist ein zusätzlich ausschlaggebender Faktor, wenn es um die mögliche Dauer eines Alkoholentzugs geht. Je länger der Zeitraum, in dem Betroffene übermäßig viel Alkohol trinken, umso stärker sind die zum Konsum gehörenden Muster im Patienten bereits verfestigt. Dadurch wird es für den Alkoholkranken auch im Rahmen einer professionellen Therapie schwieriger mit alten Verhaltensweisen zu brechen und neue Strategien anzunehmen. Dasselbe gilt für die tägliche Trinkmenge und den Alkoholgehalt der konsumierten Getränke. So lässt sich ein geringer Alkoholkonsum von wenigen Flaschen Bier pro Tag meist schneller entgiften als der Konsum von Getränken mit hohem Alkoholgehalt.

Ein konfliktbeladenes soziales oder berufliches Umfeld

Bei schwierigen Familienkonstellationen, Mobbing am Arbeitsplatz oder massiven finanziellen Problemen dient ein übermäßiger Alkoholkonsum häufig dazu, das Leben der Suchtkranken überhaupt erträglich zu gestalten. Wenn die belastende Situation über eine längere Zeit andauert, ist es für die Betroffenen oft schwer, dauerhaft vom Alkohol loszukommen. Daher ist es wichtig, bereits während des Entzugs sinnvolle Lösungsstrategien zu erarbeiten. Dies kann beispielsweise im familiären Bereich durch den Beginn einer Familientherapie geschehen und im beruflichen Bereich durch das klärende Gespräch mit den Kollegen oder die Suche nach einem neuen Job. Nicht alle Konflikte werden sich während des Entzugs vollständig auflösen lassen, aber zumindest sollte ein Konzept erarbeitet werden, das im Alltag fortgesetzt werden kann. So ist es in der My Way Betty Ford Klinik möglich, die Angehörigen in die Therapie einzubeziehen, mögliche Schwierigkeiten konkret anzusprechen und gemeinsam an Konflikten zu arbeiten.

Wie steht es bei den körperlichen Alkohol-Entzugserscheinungen um die Dauer?

Wer stationär entzieht, muss zwar mit körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen rechnen; die behandelnden Ärzte können diese jedoch durch eine medikamentöse Unterstützung auf ein Minimum reduzieren. Zu den häufigsten physischen Symptomen zählen Übelkeit, Magen-Darm-Störungen, starkes Schwitzen und körperliche Schmerzen. Psychisch ist mit Schlafstörungen, Angst, Panik oder depressiven Verstimmungen zu rechnen.

Beginnt der körperliche Entzug, dauert es normalerweise bis zu einer Woche, bevor die schlimmsten Nebenwirkungen abgeklungen sind. Ist ein missbräuchlicher Alkoholkonsum über sehr lange Zeit hinweg aufgetreten, kann die körperliche Entzugsphase deutlich länger andauern.

Wie lange dauert die psychische Entwöhnung bei einem Alkoholentzug?

Im Gegensatz zum körperlichen Entzugssyndrom dauert die Überwindung der seelischen Abhängigkeit meist deutlich länger. Für viele Suchtkranke, die in den letzten Jahren regelmäßig Alkohol getrunken haben, ist dies der weitaus härtere Teil der Behandlung. In dieser Phase müssen sie lernen, was es heißt, ohne Alkohol zu leben. Sie bekommen verschiedene Strategien aufgezeigt, dank derer sie zukünftig nicht mehr zur Flasche greifen sollen. Darüber hinaus entdecken sie alternative Möglichkeiten, um auch ohne Alkoholkonsum mit Freude durchs Leben zu gehen. Bei einigen Patienten funktioniert dies deutlich schneller als bei anderen. Nach vier Wochen sind viele Abhängige jedoch soweit stabil, dass sie den stationären Aufenthalt beenden können. Eine ambulante Therapie wird allerdings weiterhin angeraten.

Wie viel Zeit muss für die Nachsorge eingeplant werden?

Aufgrund des während der Abhängigkeit angelegten Suchtgedächtnisses kann eine substanzgebundene Abhängigkeit nie vollständig geheilt werden. Die Wahrung der Abstinenz ist für Süchtige eine lebenslange Anstrengung, immer wieder müssen sie gegen den Suchtdruck kämpfen. Ebenso können dem Alkoholkranken auch nach der Rückkehr aus der Rehabilitation affektive Störungen wie Depressionen, Angst oder Panikstörungen zu schaffen machen. Umso wichtiger ist es, im Anschluss an die stationäre Behandlung ambulante Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker sowie eine psychotherapeutische Behandlung bei einem Psychologen oder Suchtmediziner können helfen, Rückfälle zu vermeiden.

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