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Codein: Hustenstiller und Suchtmittel

Den meisten Menschen ist Codein aufgrund seiner antitussiven (hustenstillenden) Wirkung bekannt, allerdings besitzt der Wirkstoff – wie andere Opioide auch – ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotenzial und kann zu starken Nebenwirkungen führen. Daher wurde die Substanz, die in früheren Jahren oft bereits Kleinkindern als Hustensaft verordnet wurde, im Jahre 2014 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einem Risikobewertungsverfahren zur Anwendung im Kindesalter unterworfen und ist seitdem für Kinder unter 12 Jahren kontraindiziert. Um eine missbräuchliche Anwendung und eine möglicherweise daraus resultierende Codein-Abhängigkeit weitgehend zu minimieren, fällt der Arzneistoff darüber hinaus in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz. Nur Medikamente, die sehr geringe Dosen des Wirkstoffs enthalten, sind hiervon ausgenommen.

Was ist Codein?

Codein oder auch Methylmorphin ist ein natürliches Opiat, welches aus dem Milchsaft des Schlafmohns gewonnen wird und als medizinischer Wirkstoff auf das Hustenzentrum des menschlichen Körpers einwirkt. Zusätzlich besitzt es eine gewisse analgetische Potenz, die jedoch im Vergleich zu anderen Opiaten, wie etwa Morphium, sehr niedrig ist. Deshalb wird Codein nur selten als Schmerzmittel verschrieben und falls doch, nie als alleiniger Wirkstoff, sondern meist in Kombination mit Paracetamol oder anderen nicht-opioiden Analgetika. Bis in die späten 1990er Jahre kam Codein auch als Substitutionspräparat in der Heroin-Therapie zum Einsatz. Mittlerweile ist die Behandlung jedoch weitestgehend eingestellt worden, weil Methadon dank der längeren Wirkdauer bessere Erfolge verspricht.

Wofür wird Codein verschrieben?

Die Einnahme von Arzneimitteln mit Codein ist vorwiegend bei sogenanntem unproduktivem Reizhusten angezeigt. Hustensaft mit Codein unterdrückt diesen Husten über mehrere Stunden hinweg. Darüber hinaus werden Kombinationspräparate wie Gelonida® oder Titretta® als Schmerzmittel eingesetzt. Die analgetische Wirkung wird durch das zusätzlich enthaltene Paracetamol verstärkt.

Was bewirkt Codein?

Codein bindet als Opiat an spezifische Rezeptoren im zentralen Nervensystem und beeinflusst dadurch die Reiz- und Signalübertragung. Im Vergleich zu ähnlich wirkenden Arzneistoffen, ist die Bindungsfähigkeit an die Opioid-Rezeptoren jedoch deutlich schwächer. Sobald Codein in der Leber eintrifft, findet dort unter Einfluss des Enzyms CYP2D6 eine sogenannte Demethylierung statt. Hierbei wird der Metabolit Morphin aus dem Codein herausgelöst. Codein ist dementsprechend eine Prodrug, die ihre volle Wirkung erst nach der Verstoffwechselung entfaltet. Die husten- und schmerzlindernde Wirkung erfolgt hauptsächlich durch den Metaboliten Morphin, der deutlich stärker und länger an den Rezeptoren wirkt. Die Beeinträchtigung der Reizweiterleitung führt außerdem zu einem Gefühl der Dämpfung. Je nach Dosierung können überdies stimmungsaufhellende Effekte festgestellt werden.

Wann tritt die Wirkung ein?

Der Eintritt der Codein-Wirkung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen spielt die Dosierung eine Rolle, zum anderen der individuelle Metabolismus des Patienten. Bei rund 15 % der weißen Bevölkerung existiert ein CYP2D6-Polymorphismus, der dafür sorgt, dass die Demethylierung von Morphin aus dem Codein entweder schneller oder langsamer verläuft. Hieraus ergibt sich nicht nur die Gefahr einer möglichen Überdosierung, sondern auch eine verlängerte oder verkürzte Zeitspanne bis zum Wirkungseintritt. Wenn die Arzneimittel oral, beispielsweise als Hustensaft, eingenommen werden, ist der maximale Wirkstoffspiegel bereits nach einer Stunde erreicht. Das bedeutet, dass der Wirkungseintritt oftmals schon nach mehreren Minuten spürbar ist. Die Wirkung kann bis zu sechs Stunden andauern. Retardpräparate bringen eine verlängerte Wirkdauer mit sich. Im Handel bzw. in der Apotheke kann das Arzneimittel in folgenden Formen erworben werden:

  • Tabletten
  • Zäpfchen
  • Saft
  • Tropfen
  • Pastillen und Dragees
  • Brausetabletten

Welche Codein-Nebenwirkungen gibt es?

Die Liste der möglichen Codein-Nebenwirkungen ist lang und ähnelt denen anderer Opiate und Opioide. Dazu gehören folgende Kurzzeitnebenwirkungen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit und Schlafstörungen
  • Harnstörungen

Insbesondere die Magen-Darm-Beschwerden treten oft zu Beginn der Therapie auf, legen sich aber meist mit der Dauer der Anwendung bzw. der richtigen Dosierung. Die meisten Nebenwirkungen werden als erträglich empfunden, gelegentlich kann es jedoch auch zu stärkeren Beschwerden wie etwa allergischen Reaktionen (Steven-Johnson-Syndrom), Blutdruckabfall, Stimmungsschwankungen oder einer Atemdepression kommen. Bei einer länger andauernden Einnahme können körperliche und psychische Entzugserscheinungen auftreten und eine Abhängigkeit ist möglich.

Wer codeinhaltige Medikamente gegen trockenen Reizhusten oder Schmerzen über einen längeren Zeitraum einnimmt, muss damit rechnen, dass sich die Ausprägung der Nebenwirkungen verändert und neue Beschwerden hinzukommen. So wird bei Frauen häufig eine ausbleibende Menstruation festgestellt, während Männer oftmals unter sexuellen Funktionsstörungen leiden. Darüber hinaus treten Schlafstörungen deutlich häufiger auf.

Welche Gegenanzeigen und Kontraindikationen sollten beachtet werden?

Patienten, denen vom Arzt Medikamente mit dem Inhaltsstoff Codein verordnet wird, sollten während der Anwendung auf den Konsum von Alkohol verzichten. Da dieser ebenfalls eine psychoaktive Substanz ist, die auf die Reizweiterleitung im zentralen Nervensystem einwirkt, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen. So können durch Alkohol insbesondere die dämpfenden Effekte verstärkt werden, was zu einer Atemdepression führen kann. Auch andere Arzneimittel, die eine sedierende Wirkung besitzen, wie zum Beispiel Benzodiazepine, Antihistaminika oder MAO-Hemmer empfehlen sich nicht zur gleichzeitigen Einnahme. Darüber hinaus sollten Patienten mit einer bestehenden Abhängigkeitserkrankung auf alternative Medikamente ausweichen, andernfalls kann sich die Suchterkrankung verstärken. Ebenfalls wird Personen mit einer Ateminsuffizienz von einer Anwendung abgeraten.

Auch schwangere Frauen oder stillende Mütter sollten codeinhaltigen Hustensaft oder vergleichbare Arzneimittel mit diesem Wirkstoff nach Möglichkeit nicht einnehmen. Das Gleiche gilt für Kinder unter zwölf Jahren. Weiterhin sollte generell nach der Einnahme auf das Führen von Kraftfahrzeugen oder das Bedienen schwerer Maschinen verzichtet werden, da es aufgrund der dämpfenden Wirkungseigenschaften zu einem verzögerten Reaktionsvermögen und einer verringerten Aufmerksamkeitsleistung kommen kann.

Warum ist Codein eine Droge?

Codein - Hustenstiller und Suchtmittel: Warum ist Codein eine Droge?Wegen der dämpfenden und euphorisierenden Wirkung werden Hustensaft und andere Arzneimittel mit Codein insbesondere in der Hip-Hop-Szene als Droge missbraucht. Dabei sind es vor allem selbst hergestellte Mischgetränke, die überaus beliebt sind und sich inzwischen nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland zu einem ernsthaften Problem entwickeln. Hinter Bezeichnungen wie “Purple Drank” oder “Sizzurp” verbirgt sich für gewöhnlich codeinhaltiger Hustensaft vermischt mit Zitronenlimonade und zerkrümelten Bonbons. Charakteristisch für diesen Drogen-Cocktail ist die intensive Lilafärbung. Entgegen der allgemeinen Auffassung handelt es sich hierbei jedoch nicht um eine neue Trenddroge, sondern ein bereits seit den 1960er Jahren bekanntes Phänomen. Damals mischten Musiker aus der Blues-Szene die rauscherzeugende Substanz zwar noch mit Bier, der intendierte Effekt war jedoch derselbe. Besonders aufgrund des bereits erwähnten CYP2D6-Polymorphismus kann dieser Missbrauch bei veränderter Enzymtätigkeit zu einer lebensgefährlichen Überdosierung führen.

Wie schnell entsteht eine Codein-Abhängigkeit?

Anders als bei vielen anderen Opiaten und Opioiden, wie zum Beispiel Heroin, Fentanyl oder Tilidin, wirkt Codein im menschlichen Organismus deutlich schwächer. Dadurch besitzt die Substanz zwar ein geringeres Abhängigkeitspotenzial, darf aber dennoch nicht unterschätzt werden, denn der Gewöhnungseffekt setzt schleichend ein. Abhängig von der konkreten Dosierung und der Dauer der Einnahme können bereits einige Tage genügen, um beim Absetzen erste körperliche Entzugserscheinungen zu hervorzurufen, die für die Betroffenen sehr belastend sein und u. a. die folgenden Formen annehmen können:

  • Magenkrämpfe
  • innere Unruhe und Zittern
  • verstärktes Schwitzen
  • Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe

Auch psychische Entzugserscheinungen können sich bemerkbar machen. Diese äußern sich meist in starken Stimmungsschwankungen, einer erhöhten Reizbarkeit sowie depressiven Episoden. Um psychische und physische Entzugserscheinungen zu vermeiden, ist es daher wichtig, Medikamente mit Codein immer langsam abzusetzen und die Dosis schrittweise zu verringern.

Wer den Wirkstoff als Droge missbraucht, muss mit einem schnelleren Abhängigkeitseintritt rechnen. Weil die Substanz in diesem Szenario vorrangig aufgrund ihrer rauscherzeugenden Wirkung konsumiert wird, werden Hinweise und Vorgaben bezüglich der empfohlenen Dosis in der Regel nicht eingehalten und der Wirkstoff Codein entfaltet sein Abhängigkeitspotential schneller und umfassender.

Wie erfolgt ein Codein-Entzug?

Codeinhaltige Medikamente sollten stets nur in geringen Mengen von maximal 200 mg täglich eingenommen und auf bis zu vier Tagesdosen verteilt werden. Wird das Medikament nach dauerhaftem Konsum von heute auf morgen abgesetzt, muss von einem kalten Entzug gesprochen und dem Auftreten entsprechender Entzugsphänomene ausgegangen werden, neben vielen psychischen Symptomen treten zahlreiche körperliche Entzugserscheinungen auf. Oftmals erleiden Suchtkranke einen Rückfall, weil sie die Entzugserscheinungen als zu belastend empfinden. Angesichts der vielen Symptome und möglichen Nebenwirkungen eines solchen Entzugs, wird ein kalter Entzug daher nicht empfohlen.

Ein kontrollierter Medikamentenentzug unter ärztlicher Aufsicht ist für Abhängige nicht nur angenehmer, sondern auch deutlich effektiver. So folgt bei einem qualifizierten Codein-Entzug in einer spezialisierten Suchtklinik auf eine fraktionierte körperliche Entgiftung immer auch eine psychische Entwöhnung. Sollte es beim Entzug zu einem starken Entzugssyndrom kommen, kann dieses mit einer individuell eingestellten Medikation gelindert werden. In der Regel sind die körperlichen Entzugssymptome binnen sieben Tagen überstanden, können in besonders schweren Fällen oder bei einem vorausgegangenen mehrjährigen Konsum jedoch auch deutlich länger andauern.

Mit der körperlichen Entgiftung ist der Entzug allerdings noch nicht abgeschlossen, denn die therapeutische Aufarbeitung ist ein wichtiger Teil der Entwöhnung und langfristigen Stabilisierung der Patienten. In der My Way Betty Ford Klinik setzen wir auf ein bewährtes Behandlungsmodell, bei dem wöchentlich in fünf Einzel- und fünf Gruppentherapie-Sitzungen die Ursachen der Abhängigkeit eruiert werden. Dabei werden die jeweiligen Therapieziele genau an die Bedürfnisse und Biografien des Patienten angepasst.

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